Krimis & Thriller

Tödliche SMS © echomedia buchverlag

Beate Maxian

Tödliche SMS


264 Seiten, echomedia buchverlag

Die Münchner Fotografin Andrea Reiter reist einen Tag vor ihrem 35. Geburtstag nach Wien, um diesen gemeinsam mit ihrer Freundin Silke zu feiern. Doch die geplante Geburtstagsfeier verwandelt sich in einen Alptraum.

Silke ist spurlos verschwunden, dirigiert sie aber mittels SMS durch die Stadt. Erinnerungen an traumatische Ereignisse in der Vergangenheit ängstigen Andrea, trotzdem denkt sie zunächst an eine Geburtstagsüberraschung. Ein teuflisches Spiel beginnt, bei dem niemand weiß, wer eigentlich Regie führt. Sind alle SMS von Silke? Wo ist sie? Und wer verfolgt Andrea und bringt sie in Panik mit weiteren Nachrichten? „Nichts ist gewisser als der Tod, nichts ungewisser als seine Stunde."

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Leseprobe

... Das Lokal, in das sie der Kellner führte, war nur durch eine Glaswand vom Museumsplatz getrennt. Man konnte vom Platz aus gut in das Lokal sehen und umgekehrt. Der junge Kellner führte sie an einen Tisch, der sich unmittelbar hinter der Glasfront befand. Wollte sie jemand beobachten?

Oder war es gar Silke, die hier ein Spiel auf ihre Kosten trieb? Aber warum? Ein älteres Ehepaar hob unmerklich die Augenbrauen, als es den Kellner mit Andrea im Schlepptau durch die Tür kommen sah und er sie an den schön dekorierten Tisch bugsierte, an dem womöglich die beiden selbst gerne gesessen wären. Im Hintergrund lief leise klassische Musik. Eine gekühlte Flasche Wein wartete bereits auf Andrea.

Ein Chardonnay aus dem Piemont. In einer Vase waren weiße Lilien arrangiert worden. Andreas Lieblingsblumen. Kaum hatte sie Platz genommen, kam ein weiterer Kellner und schenkte ihr ein Glas ein. Als Vorspeise wurde ihr ein Carpaccio vom Rind mit gehobeltem Parmesan, Olivenöl und gestoßenem Pfeffer serviert. In einer kleinen Schüssel wurde ihr Ruccola gereicht.

Danach brachte ihr der Kellner Kalbsmedaillons in einer feinen Salbeisauce. Woher wussten diese Leute, was ihr schmeckte? Misstrauisch wurde sie von dem älteren Paar am Nebentisch beäugt. Wahrscheinlich überlegten die beiden gerade, ob es sich bei der Frau, die vor ihren Augen hofiert wurde, um eine Schauspielerin oder Sängerin handelte, die man kennen musste, deren Name ihnen aber im Moment entfallen war.

 Als Nachtisch gab es ein Stück Sachertorte und Kaffee.

Das Essen war ausgezeichnet gewesen. Aber Silke ließ sich die ganze Zeit über nicht blicken. Sie meldete sich auch nicht übers Telefon. Als dann der Chef des Hauses mit einem Grappa an den Tisch kam und Andrea zum Geburtstag gratulierte, platzte ihr der Kragen. „Wo zum Teufel ist Silke?", herrschte sie den völlig verblüfften Mann an. Der konnte ihr aber nur erklären, dass das ganze Arrangement telefonisch bestellt und im Voraus bar bezahlt worden war.

„Von einer Frau?", fragte Andrea.

Das Achselzucken des Mannes war Antwort genug. Wütend schüttete Andrea den Grappa ihre Kehle hinunter und stand auf. Gerade als sie das Restaurant verlassen wollte, kam ihr der junge Kellner entgegen und drückte ihr kommentarlos einen weißen Briefumschlag in die Hand.

Wo war sie hier? Bei versteckte Kamera?

Aber egal wo immer sie hier reingeraten war. Sie kam sich vor wie in einem schlechten Film.

Kaum war sie wieder im Freien, meldete sich ihr Telefon zu Wort. Wieder eine SMS. Langsam konnte sie die in ihr aufsteigende Panik nicht mehr zurückhalten.

Hoffe das Essen hat geschmeckt!

Sehen uns bald!

Lies den Brief!

Bussi Silke

Mit diesen Zeilen konnte sie überhaupt nichts anfangen. Was hieß hier, wir sehen uns bald? Wo und wann? Silke führte sie seit gestern Abend an der Nase herum.

Mit einer raschen Handbewegung ließ sie das Telefon in die Tasche gleiten und riss den Umschlag auf. Darin steckte eine Straßenkarte. Mit einem roten Filzstift war der Weg vom MuseumsQuartier bis zu einer Filmproduktionsfirma eingezeichnet. Andrea blickte hoch. Den Namen hatte sie heute schon einmal gelesen. Aber ja, das war doch die Produktionsfirma, die für die Amerikaner den Film drehte, bei dem Max Regie führte. BELLA Film. Aber was sollte sie dort?

Sie blickte auf ihre Armbanduhr. Es war drei Uhr.

Wahrscheinlich arbeitet Silke ebenfalls im Moment für diese Firma, dachte sie. Aber warum hatte Max das nicht erwähnt? Na egal, zumeist wurden mehrere voneinander unabhängige Projekte realisiert und das eine Filmteam wusste vom anderen nichts. Und vielleicht sprachen die beiden ja tatsächlich kein Wort mehr miteinander.

Zum Glück war das Firmengebäude gleich in der Nähe. Sie musste nur mit der U3 bis zur Station Neubaugasse fahren, dann noch einige Meter zu Fuß die Amerlingstraße entlanglaufen, bevor sie vor einem Haus aus der Jahrhundertwende stand, auf dem ein weißes Schild mit dunkelblauer Schrift auf die BELLA Film hinwies. Sie drückte auf den Klingelknopf und ein leises Summen gebot ihr, die Tür zu öffnen. Vor ihr lag ein langer gepflasterter Weg, der am Ende in ein Stiegenhaus mündete. Im Halbstock befand sich ein nachträglich eingebauter Lift, der Andrea in den ersten Stock brachte. Dort musste sie erneut auf einen Klingelknopf drücken und ein Summton öffnete ihr auch hier die doppelflügelige Eingangstür. Gleich dahinter lag eine Art Rezeption mit einer lächelnden Mittzwanzigerin mit langen blonden lockigen Haaren und etwas zu viel Make-up im Gesicht. Andrea war überrascht, sonntags eine Sekretärin anzutreffen.

„Was kann ich für Sie tun?", trällerte sie mit fröhlicher Stimme. Wahrscheinlich hatte sie erst kürzlich eines dieser „Wie verbreite ich Glück"-Seminare besucht.

„Ich suche Silke König. Sie muss hier bei Ihnen als Regieassistentin arbeiten", antwortete Andrea.

Goldlöckchen schüttelte verneinend den Kopf. „Nie gehört."

Was hatte sie nie gehört? Den Namen Silke König oder das Wort Regieassistentin? Aber noch bevor Andrea danach fragen konnte, schaute die Empfangsdame in ihrem Computer nach. „Hier arbeitet keine Silke König. Tut mir leid. Sie müssen sich geirrt haben."

„Aber das hier ist doch die BELLA Film?"

Die Frau nickte. Andrea nahm die Karte und legte sie auf die Rezeption. „Aber ich habe einen Hinweis bekommen."

Erst als sie den fragenden Blick der blonden Loreley sah, bemerkte Andrea, wie lächerlich das klang. „Einen Hinweis bekommen." Das klang nach Schnitzeljagd für Jugendliche. Frustriert und nachdenklich verließ sie das Büro. Aber noch bevor sie in den Lift steigen konnte, holte sie das Läuten ihres Handys wieder in die Realität zurück.

Rote Tür! Happy Birthday.

Bussi Silke

Was sollte das jetzt schon wieder? Allmählich hatte sie wirklich die Schnauze voll. Sie wollte nichts mehr hören oder besser keine Nachrichten mehr lesen, die von irgendwelchen Überraschungen berichteten und sie doch nur von einem Ort zum nächsten jagten. Sie hatte keine Lust mehr zu spielen. Wütend tippte sie die Nummer ihrer Freundin in ihr Telefon. Erreichte aber auch diesmal nur ihre Sprachbox, ließ das Handy wieder in ihrer Tasche verschwinden.

Rote Tür? Was für eine rote Tür?

Sie sah sich um. Zum Glück traf sie im Treppenhaus auf keine Menschenseele, dafür aber auf eine rote Tür. Sie lag genau auf der gegenüberliegenden Seite. Es gab keinen Klingelknopf, den sie drücken konnte. Vorsichtig rüttelte sie am Türknauf. Nichts rührte sich. Dann drehte sie dieses goldene Ding etwas fester und riss gleichzeitig daran. Inzwischen war es ihr egal, ob sie jemand dabei beobachtete. Scheiß drauf, sie hatte Geburtstag, lief schon den ganzen Tag durch die halbe Stadt und war mit ihrer Geduld am Ende.

Noch einmal drehte sie am Knauf, nur diesmal stieß sie gleichzeitig mit der Schulter gegen die Tür, die plötzlich mit einem Ruck aufsprang. Fast wäre Andrea gestolpert, fing sich aber, rückte ihre Locken zurecht und trat in eine schmale Diele, die ohne Verbindungstür dazwischen in ein großes, helles Atelier mündete. Durch eine Fensterfront, die fast bis zum Fußboden reichte, schien Tageslicht. An den Wänden lehnten verschiedene Bilder: gelb, rot, blau. Andrea machte einige Schritte in den Raum. Hatte sich Silke hier eingemietet, um zu malen? Am hinteren Ende stand ein Tisch mit einer wuchtigen Holzplatte, die von Stahlbeinen getragen wurde. Darunter lagen verstreut Pinsel und Farbtuben. Irgendetwas Großes lag darauf. Andrea konnte nicht genau erkennen, was es war. Es war mit einem roten Leintuch zugedeckt.

Ihre Geburtstagsüberraschung?

Sie machte einige Schritte in die Richtung. Als sie näher kam, blieb ihr Herz für den Bruchteil einer Sekunde stehen. Sie lüftete das Tuch und ihr Mund öffnete sich unwillkürlich zu einem qualvollen Schrei. ...

 

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  • Beate Maxian © Ludwig Schedl

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