Wiener Lavendel © echomedia buchverlag

Anton Krutisch

Wiener Lavendel


224 Seiten, Mohl Verlag (bei echomedia buchverlag)

Anton Krutisch serviert sein Wienerisch in Wort und Schrift in einer für alle verständlichen und leicht lesbaren Umgangssprache und erfreut damit weit über den Rahmen seiner engeren Heimat hinaus Hörer und Leser. Nach der Produktion von drei Langspielplatten erschien 2002 sein erstes Buch "Wiener Lavendel", das nach drei Monaten bereits die zweite Auflage erlebte und für viele, die selbst gerne Heiteres vortragen, zu einer wahren Fundgrube für Humor wurde.

 

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Leseprobe

Der Guatsteher

(Die Bürgschaft)

Zum Dionys, dem Tyrann von de Griechen,

is der Moräus mit an Dolch hingschlichen,

aber via er si so zubedrängt

und an' s Stechen net amal no denkt,

ham eahm scho de Kiberer derglengt.

Da sagt der Tyrann: "Hab i di, du Strolch!

Speib, was hast' denn machn wolln mit' n Dolch?

Mant der Moräus: "I bin a ehrlicher Knopf,

aber i sag' s – und sollt mi der Teife holn:

Ja – Pülcher – i hab di hamdrahn wolln!"

"Aha!" schreit der Tyrann, "du pestigs Luader,

i hab' s glei gwußt, du bist ka Guater.

Aber bei mir, du Sandler, hast di vergogelt,

dafür wirst' jetzt an' s Kreiz anegnagelt."

Da winselt der Moräus ganz dasig: "Oh mei',

wia kann ma nur so nachtragend sei'?

Der macht, wia wann i eahm weh' tan hätt,

derweil war i zum Stechn eh viel z' bled.

Wann i net so patschert war, du Pippn,

hä' st' den Feitl scho lang zwischn de Rippn.

Aber wannst' mir scho nehmen willst mei Lebm,

kunnterst mir vurher a Gnade no gebm:

Wann i gach sterbert, war des saubled,

weil heite mei Schwester de Hochzeit hätt.

Lang gnua hätt s' ja gsuach, de schiache Zechn,

und jetzt hat s' an gfundn, eh so an wechn,

der is so deppert  und packt' s als a blinder

uns spielert den Vater für ihre drei Kinder.

I warert ihr Beistand, und wann i net kann,

rennt ihr der Weh vielleicht wieder davon.

Drum tät i di bittn: Laß mir mei Pflicht no erfülln,

wann' s vorbei is, kumm i z' ruck und erfüll dir dein Willn,

nachher laßt' mi halt bratn am Kreiz in der Sunn."

"Was warst' denn so deppert", sagt drauf der Tribun,

"hä' st' halt mir dein Dolchstoß zuagwart' bis murgn,

dann hä' st wegn der Hochzeit jetzt kane Surgn.

Wer mit' n Feitl spielt, der verbrennt si de Klebeln,

drum halt jetzt dein Maul und her auf mit' n Keppeln.

I bin der Dionys, aber du glaubst, i haß Ottl,

lassert i di jetzt geh, dann war i a Trottl!

Du hast do an Klopfer, wia stellst dir des vur?"

Drauf mant der Moräus: "Jetzt hern S' amal zua!

I hättert an Freind, der stingert mir guat

und bleibert als Pfand da, derweil i bin furt."

Und wirklich, der Freind is bereit zu der Hackn

und sagt: "I vertrau dir, du wirst' s derpackn.

Aber daß d' s waßt, dei Wurt, des muaß haltn,

wann i statt dir ei' geh, sag i' s deiner Altn.

Und was dir dann bliaht, kannst dir ja denkn."

"I kumm scho z' ruck", sagt der Moräus, "liaber laß i mi hängn!"

Da spricht der Kenich: "Daß' s net allerweil haßt,

i bin a Tyrann und a pestiges Gfrast,

so gib i halt nach deiner Bitte.

Aber weh eich, i kneiß a Petite,

dann kennts eich, es zwa altn Spezln,

glei de Baner anzeln z' sammkletzln.

Und jetzt schleich di zur Hochzeit, aber geh net in d' Bliah,

i ghalt mir derweil den Haberer statt dir,

bevur dreimal de Sunn scheint, hängt er am Steckn,

und wannst du bäulisierst, dann muaß er verreckn!"

"Bei mir hast' di ' teischt, i laß eahm net stockn",

sagt der Moräus und macht si auf d' Sockn.

Durt hat er als Beistand ganz schnell unterschriebm,

aber trotzdem is er dann do picknbliebm

und hat gfressn und gsoffn und ' kudert und glacht,

und de Remasure hat ' dauert zwa Tag und zwa Nacht.

Wiarer mit an deppertn Schädl erwacht in der Hapfm

fallt eahm der Freind ei' – da haut eahm der Schreck aus de Schlapfm.

Zwölf Stund hat er nur mehr bis zum Abendrot,

und wann er net z' rechtkummt, is der Haberer tot.

Ohne Abschied, ohne Fruahstuck und ohne Rasiern

schleich er si furt und fangt an zum marschiern.

Da fangt' s an zum trepfeln, dann regnet' s und schitt' s,

doch er hatscht weiter bei Sturm, Dunner und Blitz.

Aber wia er zum Fluß kummt, da verliert er den Reis,

De Bruckn is weg – was tua i, o Zeus?

Wia soll i da drüber, i hab ka Schinakl,

und bei den Wellngang schwimmen, na, des is a Hackl!

Aber ' s bleibt eahm nix über, er muaß durch des Wasser,

also hupft er halt eine, er wird eh nimmer nasser,

und raft mit de haushochn Wogn.

Und x-mal hätt' s eahm bald abe' zogn,

aber er tuat betn und bittn und sempern,

und der Zeus hat a Mitleid und laßt eahm net schlempern.

So kummt er mit Ach und Krach ume,

kräult auße, sagt: "Wann i mi tumme',

kumm i no vur' n Abendrot eine in d' Stadt.

Der machert an Fotz, der Zwiefelkrowat!"

Und weiter rennt er mit' n patschnassn Frack,

wia wann eahm scho sitzert der Ginkerl im Gnack.

Da versperrn eahm auf amal Räuber den Weg.

"Schleichts eich", schreit er, "i hab ja an Dreck.

Des anzige, was i no hab, is mei Lebm,

und des muaß i heite mein Kenich no gebm!"

Aber de kräuln eahm net abe und wolln eahm derschlagn,

da geht er presant, da platzt eahm der Kragn,

er gibt an a Tetschn, den zweitn an Schuß,

den dritten an Magnbeigl voller Genuß,

den viertn an Ferschler und kauft eahm an Reider,

de andern verkummen – und er rennt scho weiter.

Aber sche langsam werdn bleiern de Haxn,

er wird miader und miader, es krachn de Flaxn,

und er denkt si: "Kummt des von den Jaukn,

oder hätt i net solln so viel raukn?"

Doch er jappelt weider auf d' hinichn Schleich,

de Sunn geht scho abe, der Himmel wird bleich.

Da kummt er zum Stadtrand mit hängender Zungen

und denkt nur des ane: "Gelungen, gelungen!"

Da kummt eahm sei Hausmaster no in de Quer

und schreit: "Du rettest dein Freind nimmermehr!

Zu spät, sie ziagn eahm scho aufe auf' s Kreiz,

rett du dir dei Lebm und verduft in de Schweiz!"

Doch er gibt net nach, reißt si no amal z' samm,

spuckt in de Händ und sagt: "Glei wer ma' s habm!"

und start' wia der Nurmi in d' Stadt.

Durt zaan s' den Freind auf' s Kreiz aufe grad,

und der Tyrann, der hänselt eahm immer:

"Na, Depperter, dei Spezi kummt nimmer!"

"Der kummt", rechelt der Freind, obwohl er' s net glaubt,

auf amal siacht er von der Weidn, wia' s staubt,

da kummt aner ghatscht, steßt auf d' Seitn de Leit

und brüllt: "Machts mir Platz, i hab ja ka Zeit!"

Da schreit der Freind voller Freid: "Haladara!

Was sagst' jetzter, Tyrann, der Moräus is da?"

Den Tyrannen fallt abe vur Enttäuschung des Ladl,

er glaubt, er tuat tramen, und zwickt si ins Wadl,

aber es is wahr und wirklich ka Tram,

da Moräus is frank wieder daham.

"Freindschaft", schreit der Moräus, "geht mir über alls,

jetzt bin i da, Freind, und rett dir dein Hals!"

Und de zwa falln si vur Rührung so lang in de Arm,

daß d' Leit umerdum scho glaubm, de san warm.

Der Tyrann, der steht danebm und sinniert:

"Der Moräus, des Hundsviech, der hat mi blamiert,

jetzt kann i nix tuan wia vertuschn mein Gizzi",

und schasfreindlich sagt er: "Es seids mir zwa Strizzi,

i mecht eich schee bittn in derer Stund:

Nehmts mi als drittn in eichern Bund!"

Da sagt der Moräus zum bekehrten Tyrann:

"Du, des is leiwand, mir brauchn eh an,

Niserl, schreib eine, uns kannst du net pflanzn,

du wirst unser Dritter – beim Preferanzn!"

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